Weniger als fünf Wochen bis zum obligatorischen Signalisierungsfenster im August — und Bitcoin steckt mitten in einer der heftigsten Protokolldebatten seit Jahren. BIP-110, vorgeschlagen von Dathon Ohm, sieht einen einjährigen Soft Fork vor, der das Einbetten beliebiger Datenmassen in Bitcoin-Transaktionen verbieten würde. Konkret würde das das Ende von Ordinals-Inschriften, BRC-20-Token und bestimmten Taproot-Konstruktionen bedeuten, die als Datenspeicher genutzt werden. Normale Coin-Transfers blieben unberührt.
Befürworter argumentieren, diese Einbettungsmethoden verstopften das Netzwerk, trieben Gebühren in die Höhe und erhöhten die Speicherlast für jeden Knotenbetreiber. Die Regelung ist chirurgisch präzise: UTXOs vor der Aktivierung sind dauerhaft ausgenommen; die Beschränkungen laufen nach rund 52.416 Blöcken automatisch aus.
Die entscheidende Zahl lautet 0,42 %. So hoch ist die aktuelle Miner-Unterstützung für BIP-110 Anfang Juli 2026 — nur etwa 5 Exahashes pro Sekunde von insgesamt rund 940 EH/s, fast alle aus dem Ocean-Pool. Für den Lock-in sind 55 % Unterstützung in einer einzelnen Schwierigkeitsanpassungsperiode erforderlich. Weit entfernt.
Genau hier liegt die eigentliche Gefahr. Der UASF-Mechanismus erzwingt die Öffnung eines obligatorischen Signalisierungsfensters um den 7. August — unabhängig von der Stimmung der Miner. Wenn genug Nodes die BIP-110-Regeln durchsetzen, während die Miner sie ignorieren, entstehen zwei konkurrierende Chains. Adam Back von Blockstream sagte unmissverständlich: die Proposal funktioniert schlicht nicht, bricht mehrere Mechanismen und hat weder technischen noch ökosystemischen Konsens. Jameson Lopp warnte, die Aktivierung erhöhe die Chancen eines Chain-Splits deutlich.
Börsen sollten jetzt bereits Einzahlungs- und Auszahlungsrichtlinien überprüfen sowie Wallet-Kompatibilität testen. Die tiefere Frage hinter BIP-110 ist dieselbe, die die Community seit dem Ordinals-Boom beschäftigt: Ist die Basisschicht ein monetäres Netzwerk, eine Datenschicht — oder beides?



