Brasiliens Zentralbank tritt bei Kryptowährungen auf die Bremse. Laut der am 6. August verabschiedeten und einen Tag später veröffentlichten Resolution BCB Nr. 584 müssen Börsen ab dem 1. Januar 2027 jeden Krypto-Transfer über 10.000 US-Dollar bis zu 24 Stunden zurückhalten — egal, ob die Summe in einer einzigen Transaktion oder über mehrere am selben Tag zusammenkommt —, sofern das Geld an eine ausländische Plattform oder eine Self-Custody-Wallet geht, Stablecoins eingeschlossen.
Die Logik dahinter ist simpel: Betrüger haben längst gemerkt, dass sich gestohlenes Geld über einen Stablecoin schneller und schwerer nachverfolgbar verschieben lässt als über das Bankensystem. Bis das Opfer es merkt und die Bank informiert, liegt das Geld meist schon auf einer ausländischen Plattform oder in einer Wallet, die niemand einfrieren kann. Die 24-Stunden-Frist gibt den Börsen Zeit, Empfänger, Rechtsraum und Kundenhistorie zu prüfen und verdächtige Transfers zu stoppen. Fällt die Prüfung sauber aus, kann das Geld auch früher freigegeben werden.
Ein wenig Ironie steckt in der Sache: Brasilien hat sich seinen Ruf mit Pix erarbeitet, dem Echtzeit-Zahlungssystem, das für weite Teile Lateinamerikas zum Vorbild wurde. Kryptowährungen, jahrelang als Inbegriff von Geschwindigkeit verkauft, werden sich ausgerechnet auf diesem Markt nun langsamer bewegen als eine gewöhnliche Banküberweisung.
In der Branche kommt das nicht gut an. Regina Pedroso, Vorsitzende des brasilianischen Tokenisierungsverbands Abtoken, warnte, die Regel belaste redliche Nutzer und schwäche die Wettbewerbsfähigkeit lokaler Börsen gegenüber ausländischen Plattformen, die davon nicht direkt betroffen sind. Den Börsen bleiben rund fünf Monate, um ihre Prüfmechanismen aufzubauen — die Zentralbank setzt offenkundig darauf, dass diese Zeit für schärfere Kontrollen genutzt wird und nicht für die Suche nach Schlupflöchern.



