Crédit Agricole – die zweitgrößte Bank Europas nach Vermögenswerten und das weltweit größte genossenschaftliche Finanznetzwerk – hat einen eigenen Euro-Stablecoin herausgebracht. Er heißt EURXT (EURO eXchange Token), basiert auf Ethereum und wurde am 1. Juli veröffentlicht: genau an dem Tag, an dem die europäische MiCA-Verordnung für alle Marktteilnehmer ohne Ausnahmen in Kraft trat. Kein Zufall im Timing.
Der Token wurde von CACEIS ausgegeben – einer Tochtergesellschaft von Crédit Agricole, die institutionelle Kunden betreut: Vermögensverwalter, Pensions- und Versicherungsfonds. EURXT ist ein elektronischer Geldtoken nach ERC-20-Standard, 1:1 durch Euro gedeckt: Jeder Token entspricht einem Euro auf dem Konto der CACEIS Bank. Die Transparenz der Reserven wird über die Plattform stable-xt.io überwacht.
Am Starttag gab es einen europäischen Präzedenzfall: Ein institutioneller Kunde nutzte EURXT zur Abrechnung einer Zeichnung in den tokenisierten luxemburgischen UCITS-Fonds Amundi. Der Investor investierte in den Fonds und zahlte mit dem Stablecoin statt per Banküberweisung. Ein funktionierendes Modell, bei dem der gesamte Zahlungsverkehr digital und ohne Verzögerungen durch Korrespondenzbanken oder Zwischenhändler abgewickelt wird.
EURXT hat bereits viele Konkurrenten. Circle hält EURC mit rund 378 Mio. Token, Société Générale EURCV mit etwa 124 Mio. Ein Konsortium aus 37 europäischen Banken namens Qivalis arbeitet an einem eigenen Pendant. Crédit Agricole kommt später auf den Markt, hat aber einen entscheidenden Vorteil: EURXT wurde von Anfang an für MiCA entwickelt, ohne Übergangslösungen oder spätere Anpassungen an neue Anforderungen.
„Wir bieten unseren Kunden ein stabiles, sicheres Zahlungsmittel, das vollständig den neuesten europäischen Anforderungen entspricht“, sagte Olivier Gavalda, CEO von Crédit Agricole.
EURXT ist vorerst nur für CACEIS-Kunden verfügbar. Ein Retail-Launch ist nicht geplant – und das ist logisch. Der Markt für Euro-Stablecoins ist deutlich kleiner als der für Dollar: USDT und USDC zusammen halten über 200 Mrd. USD. Institutionelle Abrechnungen sind der richtige Einstiegspunkt, um Volumen aufzubauen, bevor die Zielgruppe erweitert wird. Wenn Fonds und Verwahrer massenhaft auf Stablecoin-Zahlungen umsteigen, könnten die Volumina exponentiell wachsen.
Seit dem 1. Juli ist MiCA für alle ohne Übergangsfrist verpflichtend: Krypto-Assets in der EU ohne Lizenz zu handeln, ist Gesetzesverstoß und keine bürokratische Lücke. Für Stablecoins definiert die Verordnung die Kategorie „elektronischer Geldtoken“ mit klaren Anforderungen an Reserven und Aufsicht. Genau für diesen Standard wurde EURXT geschaffen. Crédit Agricole setzt darauf, dass regulatorische Klarheit das Marktwachstum beschleunigt – und ist der erste der großen europäischen Banken, der hier vorangeht.



