Während Anthropic den Börsengang vorbereitet und OpenAI mit Washington über eine staatliche Beteiligung verhandelt, hat Europa endlich seinen eigenen Rekord im KI-Wettlauf aufgestellt. Das französische Start-up Mistral AI hat eine Finanzierungsrunde über 3 Milliarden Euro abgeschlossen, bei einer Post-Money-Bewertung von mehr als 21 Milliarden Euro — die größte Finanzierungsrunde, die je ein europäisches Tech-Unternehmen erhalten hat.
Angeführt wurde die Runde von Samsung Electronics, gemeinsam mit dem von EQT verwalteten Scaleup Europe Fund und dem bestehenden Investor PSG Equity als Co-Lead. Neu dabei sind Advent, von BlackRock verwaltete Fonds und, ungewöhnlich genug, die Regierung Luxemburgs. Bestehende Investoren wie a16z, ASML, BNP Paribas, Bpifrance und Nvidia beteiligten sich ebenfalls, zusammen mit einem guten Dutzend weiterer Fonds.
Mistral wurde 2023 von ehemaligen Forschern von Meta und Google DeepMind gegründet und setzt auf Modelle mit offenen Gewichten — anders als die geschlossenen Systeme von OpenAI und Anthropic. Das Unternehmen betreut inzwischen mehr als 125 Firmenkunden in 20 Ländern, darunter Airbus, ASML und HSBC, und will noch dieses Jahr die Marke von 1 Milliarde Dollar wiederkehrendem Jahresumsatz überschreiten.
Das Geld fließt in Rechenkapazität für größere Modelle und in die internationale Expansion. Hinter der beeindruckenden Zahl steckt eine einfache Rechnung: Europäische Regierungen und Unternehmen wollen bei Daten und Infrastruktur nicht von amerikanischen oder chinesischen KI-Plattformen abhängig sein. Genau das meint der Begriff "souveräne KI". Bezeichnend ist, dass Samsung, BlackRock und der luxemburgische Staat gemeinsam auf dasselbe Unternehmen setzen — jeder aus eigenen Gründen.
Eine Bewertung von 21 Milliarden Euro wirkt nur im europäischen Vergleich rekordverdächtig. Anthropic nähert sich einer Bewertung von einer Billion Dollar, und OpenAI peilt vor seinem Börsengang eine ähnliche Größenordnung an. Mistral spielt noch in einer anderen Liga, und ob das Unternehmen jemals bei der Rechenleistung mit den US-Giganten mithalten kann, bleibt offen.



