Bisher bedeutete es, US-amerikanische Aktien auf einer öffentlichen Blockchain zu platzieren, rechtliche Grauzonen in Kauf zu nehmen. Frühere Versuche — von tokenisierten Equity-Plattformen bis zu FTX-Stock-Token — scheiterten an Regulierern oder verlagerten sich aus der US-Jurisdiktion. Ondo Finance wählte einen anderen Weg. Das Unternehmen hat den BlackRock IVV — den weltweit größten S&P-500-Indexfonds — und Micron-Technology-Aktien auf Ethereum tokenisiert, gestützt auf den regulatorischen Rahmen, den die SEC selbst vorgegeben hat.
Die Struktur folgt der SEC-Mitarbeitererklärung vom Januar 2026, die erstmals beschrieb, wie ein Dritter Wertpapiere ohne direkte Emittentenbeteiligung tokenisieren kann. Ondos Tochtergesellschaft Oasis Pro TA — ein bei der SEC registrierter Transfer Agent, den Ondo im vergangenen Jahr erwarb — prägt Ethereum-Token im Verhältnis 1:1 zu Aktien, die in traditioneller US-Verwahrung liegen. Broadridge übernimmt Proxy-Abstimmungen, Offenlegungen und Emittentenkommunikation, wodurch Token-Inhaber dieselben Aktionärsrechte wie bei einem gewöhnlichen Brokerage-Konto erhalten.
Ondo verwaltet bereits über eine Milliarde Dollar in tokenisierten Aktien und ETFs — mehr als 430 Positionen. Doch IVV und Micron sind die ersten unter dem SEC-Drittpartei-Custodial-Modell, ein wesentlicher Unterschied in einem Bereich, in dem regulatorische Unsicherheit die heimische Adoption jahrelang blockierte.
US-Anleger können die Produkte derzeit nicht kaufen; der Zugang ist nur internationalen Kunden vorbehalten. Die Öffnung für den heimischen Markt steht noch aus. Doch die Infrastruktur steht: BlackRock als Basiswert, Broadridge für Abstimmungen, die SEC als Rahmengeberin. Was noch fehlt, ist eine Zugangsentscheidung.



