Am Samstagabend Ostküstenzeit verschwanden aus der Föderations-Wallet hinter Liquid Network, Bitcoins ältester Sidechain, 3.996 BTC — fast der gesamte Bestand. Zu diesem Zeitpunkt waren das rund 320 Millionen Dollar, und Börsen, die den Token LBTC führen, stoppten Einzahlungen und Auszahlungen binnen Stunden.
Liquid läuft seit 2018 unter der Führung von Blockstream. Die Idee dahinter: Börsen, OTC-Desks und Fonds sperren Bitcoin, erhalten im Gegenzug LBTC und wickeln Transaktionen schneller und diskreter ab als auf der Bitcoin-Hauptkette. Die echten BTC hinter diesen Token verwahren gemeinsam rund fünfzehn Mitglieder der Föderation.
Blockstream erklärte, kein Schlüssel sei gestohlen worden. Das Problem steckte in Elements, dem Bitcoin-Core-Fork, auf dem Liquid läuft: Ein Fehler im Cache zur Prüfung von Range Proofs erlaubte es, LBTC zu prägen, ohne entsprechendes Bitcoin zu hinterlegen. Die so entstandenen Token tauschte der Angreifer anschließend über die Handelsplattform SideSwap gegen echtes BTC.
Eine On-Chain-Nachricht zu den Transaktionen lautete: „we are whitehats. contact us on chain” — auf Deutsch etwa: Wir sind White Hats, meldet euch on-chain. Blockstream bestätigte diese Darstellung nie, nahm aber Kontakt auf und lieferte binnen eines Tages einen Patch für alle Nodes.
Nach Bestätigung, dass die Lücke geschlossen war, schickte der Angreifer 3.400 BTC zurück, umgerechnet rund 272 Millionen Dollar. Er behielt 598,5 BTC — knapp 47 Millionen Dollar, etwa 15 Prozent der Beute —, ohne dass eine öffentliche Vereinbarung dies als Belohnung bezeichnet hätte. Das wirkt eher wie ein selbst festgelegtes Honorar.
Andere Vermögenswerte auf Liquid, darunter USDT und tokenisierte reale Assets, blieben unberührt. Der Vorfall zeigt: Selbst eine jahrelang erprobte, konservativ betriebene Bitcoin-Infrastruktur kann an einem gewöhnlichen Programmierfehler scheitern — nicht nur an einem spektakulären Schlüsseldiebstahl.



