Der Agent, dessen Aufgabe es war, die Krypto-Wallets einer feindlichen Macht zu überwachen, soll sie selbst geplündert haben. Patrick Steven Yaroch, ein 37 Jahre alter Supervisory Special Agent der FBI-Abteilung für Spionageabwehr mit Top-Secret-Freigabe, wurde in Virginia festgenommen und beschuldigt, rund eine Million Dollar in Kryptowährung von genau den Konten gestohlen zu haben, die er selbst untersuchen sollte.
Von 2017 bis 2025 arbeitete Yaroch bei der Boston-Niederlassung des FBI in einem Team für nationale Sicherheit, das eine Person aus einem in der Anklageschrift nur als „feindlicher Staat“ bezeichneten Land beobachtete. Laut NBC News handelte es sich um Russland. Der Anklage zufolge war Yaroch Ende 2024 frustriert, dass das Bureau die Nutzung dieser Krypto-Konten durch das Ziel nicht stoppen konnte oder wollte, und beschloss, selbst zu handeln: Er soll Seed-Phrasen — die Wortfolge, die vollen Zugriff auf ein Wallet gewährt — aus internen FBI-Unterlagen entnommen, sie sich gemerkt und die Gelder in etwa zehn bis zwölf Transaktionen über die Börse Kraken und die auf Sui basierende DeFi-Plattform Suilend auf ein privates Wallet überwiesen haben.
Das Vorgehen hielt fast zwei Jahre und flog fast zufällig auf: Am 28. Juli 2026 gestand Yaroch einem Kollegen, und am 3. August durchsuchten Agenten sein Haus in Ashburn und stellten 925.426 Dollar sicher — mehr als 90 Prozent der mutmaßlich gestohlenen Summe. Ihm drohen nun Bundesanklagen wegen des Transports und Besitzes gestohlenen Eigentums über Bundesstaatsgrenzen hinweg, das FBI hat ihn entlassen.
Die Geschichte hat eine bittere Ironie: Ausgerechnet die Transparenz der Blockchain, die Yaroch als Ermittler nutzte, wurde ihm zum Verhängnis — eine große Summe über eine Börse und eine DeFi-Plattform zu bewegen, hinterlässt Spuren, die Forensiker nachverfolgen können. Der Fall erinnert an 2015, als Agenten des Secret Service und der DEA, die gegen Silk Road ermittelten, ebenfalls beschlagnahmte Bitcoins abzweigten und dafür verurteilt wurden.
Ermittler fanden in Yarochs Suchverlauf zudem ChatGPT-Anfragen zu einem Umzug nach Portugal, Griechenland und in die Türkei sowie nicht gemeldete Reisen nach Deutschland, Portugal und Grenada. Der Fall wird weiter untersucht, und das FBI räumte ein, dass der Vorfall die eigentliche Überwachungsoperation gegen ausländische Wallets kompromittiert haben könnte.



