Ein Start-up, das noch keine zwei Jahre alt ist, wurde mit 8,2 Milliarden Dollar bewertet — und ein Chiphersteller schlägt zu. AMD hat angekündigt, World Labs zu übernehmen, das Unternehmen der Stanford-Professorin Fei-Fei Li, die als eine der prägenden Figuren des modernen maschinellen Sehens gilt.
World Labs baut das, was in der Branche „Weltmodelle” genannt wird: KI-Systeme, die aus Text, Bildern oder Videos einen dreidimensionalen Raum erzeugen, mit dem man interagieren kann. Das Flaggschiffprodukt Marble wird bereits genutzt, um Roboter in simulierten Umgebungen zu trainieren — deutlich günstiger und sicherer als in der realen Welt.
Die Übernahme erfolgt komplett in AMD-Aktien und soll bis Jahresende abgeschlossen werden. Li selbst wird als Executive Vice President und Chefwissenschaftlerin zu AMD wechseln — und damit mitbestimmen, auf welche Modelle das Unternehmen seine Chips künftig zuschneidet.
Für AMD ist es die zweitgrößte Übernahme der Firmengeschichte, nach dem rund 50 Milliarden Dollar schweren Xilinx-Deal von 2022. Die Wahl ist kein Zufall: Konkurrent Nvidia hat mit Cosmos bereits eine eigene Reihe von Weltmodellen für Robotik und autonomes Fahren, während AMD bislang nichts Vergleichbares vorweisen konnte.
Bemerkenswert ist der zeitliche Verlauf. Erst im Februar beteiligte sich AMD an einer Finanzierungsrunde von World Labs über 1 Milliarde Dollar, damals bei einer Bewertung von 5 Milliarden. Sieben Monate später hat sich der Wert fast verdoppelt, obwohl das Start-up kaum nennenswerte Umsätze vorweisen kann. AMD setzt damit vor allem auf Talente und auf die Zukunft physischer KI, nicht auf ein bereits bewährtes Geschäftsmodell.



