In der Akte von Sam Bankman-Fried liegt ein neues Schriftstück obenauf — diesmal mit dem Briefkopf des höchsten Gerichts der USA. Der frühere FTX-Chef, der bereits im dritten Jahr eine 25-jährige Haftstrafe absitzt, bittet den Supreme Court, das zu tun, was das Berufungsgericht abgelehnt hat: sein Urteil aufzuheben.
Seine Anwälte greifen gleich zwei Entscheidungen an. Erstens die Verurteilung selbst — sieben Anklagepunkte, darunter Überweisungsbetrug, Verschwörung und Geldwäsche, die eine Jury bereits 2023 gefällt hatte. Ihr Argument: Richter Lewis Kaplan habe der Verteidigung verboten, der Jury zu zeigen, dass FTX und Alameda Research tatsächlich genug Vermögenswerte besaßen, um Kunden auszuzahlen, und den Zusammenbruch als vorübergehenden Liquiditätsengpass statt als echtes Bilanzloch dargestellt. Die Anklage habe derweil frei mit Verlustzahlen argumentieren können, ohne dass die Verteidigung mit Wiederbeschaffungszahlen dagegenhalten durfte.
Der zweite Teil der Petition dreht sich ums Geld — konkret um die 11,02 Milliarden Dollar, die das Gericht einziehen ließ. Bankman-Frieds Team argumentiert, eine Strafe dieser Größenordnung verstoße gegen den achten Verfassungszusatz, der überzogene Geldstrafen verbietet. Neu ist das Argument nicht: Ein Senat des Berufungsgerichts des zweiten Bezirks hatte eine ähnliche Version bereits im Juni zurückgewiesen und sich dabei auf das vorjährige Supreme-Court-Urteil im Fall Kousisis gestützt, wonach eine Verurteilung wegen Überweisungsbetrugs keinen Nachweis der Absicht erfordert, Opfer finanziell schlechterzustellen.
Der Weg bis hierher war nicht geradlinig. Kaplan lehnte im April einen Antrag auf Wiederaufnahme ab, das Berufungsgericht bestätigte im Juni das Urteil, und zwischenzeitlich kursierten Berichte über ein Gnadengesuch, das Präsident Trump Berichten zufolge zweimal abgelehnt habe. Jetzt bleibt nur noch die letzte Hürde: Mindestens vier der neun Richter müssen zustimmen, den Fall überhaupt anzuhören. Der Supreme Court erhält jährlich Tausende solcher Petitionen und nimmt sich etwa jeder hundertsten an — die Chancen stehen also schlecht, doch allein der Antrag reicht, um den FTX-Zusammenbruch fast drei Jahre nach der Pleite wieder in die Schlagzeilen zu bringen.



