Die Börse, die den Perpetual Swap mit 100-fachem Hebel erfunden hat — das Instrument, auf dem der gesamte Krypto-Derivatemarkt bis heute läuft —, schließt sich selbst. BitMEX kündigte an, den Betrieb am 23. September um 4:00 Uhr UTC einzustellen, fast genau elf Jahre nach dem Start.
Neue Registrierungen sind bereits gesperrt. Ab dem 26. August können Nutzer nur noch Positionen verkleinern, keine neuen mehr eröffnen, und alles, was zum Stichtag noch offen ist, schließt die Börse zwangsweise. Verifizierte Kunden, die ihr Guthaben nicht rechtzeitig abheben, zahlen eine Verwahrgebühr von mindestens 50 Dollar oder 1% pro Jahr, monatlich berechnet.
Als offizieller Grund wird eine "strategische Überprüfung des Geschäfts" genannt. Kein Hack, keine Anordnung einer Behörde: Das Unternehmen erklärt, in elf Jahren nie auch nur einen Cent Kundengeld durch Hacker verloren zu haben.
Ganz makellos ist die Geschichte von BitMEX allerdings nicht. 2022 bekannten sich die Gründer — Arthur Hayes, Benjamin Delo und Samuel Reed — schuldig, jahrelang gegen den US Bank Secrecy Act verstoßen zu haben, weil die Börse kein funktionierendes Geldwäsche-Programm hatte. Im März 2025 begnadigte Trump das Unternehmen selbst, alle drei Gründer und den ehemaligen Manager Gregory Dwyer. So schließt eine gerade erst begnadigte Börse jetzt aus eigenem Antrieb, ohne erkennbaren äußeren Druck.
Während BitMEX auf der Stelle trat, wuchs der Markt, den die Börse geschaffen hatte, immer weiter: Binance, Bybit und OKX bieten heute dieselben Perpetual-Kontrakte mit noch höherem Hebel an und haben dem Pionier den Großteil der Kunden abgenommen. Hayes hat sich bislang nicht geäußert — sein letzter Beitrag auf X stammt vom 16. Juli, eine Woche vor der Ankündigung.



