BNY, die weltweit größte Depotbank mit 59 Billionen Dollar an verwahrten Kundenvermögen, betreibt daneben ein Transferagentur-Geschäft, das rund 8,6 Billionen Dollar an Fondsanteilen verwaltet. Genau dieser Teil des Geschäfts wandert jetzt auf die Blockchain.
Eine Transferagentur ist die Instanz im Hintergrund, die festhält, wem wie viele Anteile eines Fonds gehören, Käufe und Rücknahmen abwickelt und Dividenden auszahlt. Bislang lief das über getrennte Datenbanken von Banken und Registerstellen, mit ständigem Abgleich zwischen den Beteiligten. Die neue Plattform von BNY führt diese Eigentumsnachweise in einem gemeinsamen Register auf einer öffentlichen Blockchain, während die bestehenden Systeme parallel als offizielle Buchführung weiterlaufen.
Erster Kunde ist die schottische Fondsgesellschaft Baillie Gifford, die einen vollständig nativen, britisch regulierten tokenisierten Fonds auf der neuen Infrastruktur starten will. BlackRock und BNYs eigene Sparte Dreyfus stehen bereits in den Startlöchern, um zu folgen.
„Wir modernisieren die Funktion hinter Fondstransaktionen, indem wir Bücher und Aufzeichnungen auf die Kette bringen“, sagt Carolyn Weinberg, Chief Product and Innovation Officer bei BNY. Emily Portney, die den Bereich Asset Servicing der Bank leitet, betont zugleich, dass die alten Schienen nicht verschwinden: „Billionen und Abertrillionen von Dollar“ würden noch jahrelang über bestehende Systeme laufen — die Blockchain kommt als zusätzliche Option hinzu, nicht als Ersatz.
Für BNY ist es nicht der erste Schritt in Richtung Krypto: Die Bank verwahrt Bitcoin und Ether bereits seit Oktober 2022, hat im Juni ihre USDC-Unterstützung gemeinsam mit Circle ausgebaut und plant bis Ende 2026 Pilottransaktionen mit tokenisierten US-Staatsanleihen auf einer eigenen privaten Blockchain. Offen bleibt, ob andere große Fondsgesellschaften dem Beispiel von Baillie Gifford im großen Stil folgen — oder ob tokenisierte Fondsanteile noch länger ein Nischenexperiment bleiben.



