Vier Jahre, mehr als 400.000 Konten und das Versprechen von 15 Prozent pro Woche — so beschreibt die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) die Aktivitäten, die ihrer Klage zufolge unter dem Namen Cash FX Group liefen. Am Freitag reichte die Behörde vor einem Bundesgericht in Florida eine Zivilklage ein — gegen das Unternehmen, seinen Gründer Huascar Jose Lopez Castillo, die verbundene Marketingfirma The Conversion Pros samt ihrem Chef Ronald Pope sowie einen dritten Beschuldigten, Justin Halladay.
Laut CFTC operierte Cash FX zwischen Juni 2019 und Dezember 2023 als mehrstufiges Marketingsystem und sammelte weltweit über 950 Millionen Dollar ein. Neuen Mitgliedern wurde erzählt, ihr Geld werde von "Experten-Tradern" und eigenen Algorithmen verwaltet — später hieß es, ein System künstlicher Intelligenz erziele rund 10 Prozent pro Woche. Pope selbst versprach in seinen Materialien sogar bis zu 15 Prozent.
Das Problem: Dieses KI-System hat es laut Klage nie wirklich gegeben. Die CFTC verweist auf einen Livestream vom November 2021, in dem die Marketingdirektorin von Cash FX selbst zugab, die versprochene KI sei "noch nicht gestartet". Reale Handelsaktivität habe es kaum gegeben — neue Einzahlungen seien schlicht genutzt worden, um frühere Anleger auszuzahlen, die klassische Mechanik eines Ponzi-Systems, während ein Teil des Geldes offenbar in private Kanäle floss.
Der Bezug zu Kryptowährungen liegt nicht im Produkt selbst — Cash FX verkaufte Forex-Kontrakte, keine Token —, sondern im Geldfluss. Ein Teil der Zahlungen lief über Krypto-Wallets, wodurch Gelder Landesgrenzen überschreiten konnten, ohne das klassische Bankensystem zu durchlaufen. Das erschwerte die Ermittlungen erheblich: Transaktionen mussten über Wallets, Börsen und die Punkte hinweg verfolgt werden, an denen Krypto in Bargeld umgewandelt wurde.
Die bestätigten Verluste der Anleger belaufen sich auf mindestens 406 Millionen Dollar. Die CFTC verlangt vor Gericht Rückerstattung, Gewinnabschöpfung, zivilrechtliche Strafen und ein dauerhaftes Handels- und Registrierungsverbot für die Beschuldigten. Keiner von ihnen hat sich bislang vor Gericht geäußert, die Vorwürfe sind unbewiesen. Für die Behörde ist es nicht der erste Fall dieser Art in diesem Jahr — im Juli hatte die CFTC bereits Argent Capital Management und Trevor Vernon wegen eines ähnlichen, deutlich kleineren Betrugs über 14 Millionen Dollar verklagt.
Auffällig ist, welche Rolle die "künstliche Intelligenz" hier tatsächlich spielte: nicht beim Handel, sondern beim Verkaufen. In einem System, das von Rekrutierung statt von Ergebnissen lebte, war das Versprechen eines intelligenten Systems nur ein Wort, das Anleger nicht überprüfen konnten.



