Am 12. März 2020 verlor Bitcoin innerhalb eines einzigen Tages die Hälfte seines Werts — den Crash nennt der Markt bis heute „Black Thursday". Sechseinhalb Jahre später landet dieser Tag nun vor Gericht.
Die insolvente Celsius Network hat über ihren Verwalter Blockchain Recovery Investment Consortium fünf mit BitMEX verbundene Firmen verklagt — HDR Global Trading, ABS Global Trading, Shine Effort, 100x Holdings und HDR Global Services. Die Klage ging am 12. September beim Insolvenzgericht im südlichen Bezirk von New York ein. Gefordert werden 6.360 BTC, umgerechnet aktuell rund 495 Millionen Dollar.
Es geht um zwei Zwangsliquidationen aus jener Woche 2020: BitMEX löste am 12. März 1.325,84 BTC von Celsius selbst auf, einen Tag später weitere 5.034,33 BTC des Investmentfonds JST — ein Anspruch, der später an die Insolvenzmasse abgetreten wurde. Beide Positionen waren gehebelte Long-Wetten auf steigende Bitcoin-Kurse, beide waren binnen Stunden ausgelöscht.
Celsius' Anwälte behaupten, BitMEX habe seine Liquidations-Engine bewusst gegen die eigenen Kunden konstruiert: Die Börse kontrollierte sowohl den Mechanismus, der Zwangsverkäufe auslöste, als auch den Versicherungsfonds, der davon profitierte. Die Klage verweist auf Liquidationspreise, die bis zu 24% unter denen anderer Börsen lagen, sowie auf einen Ausfall am 13. März, der fast exakt mit dem Ende der Liquidationen und der Erholung des Bitcoin-Kurses zusammenfiel. BitMEX hatte den Ausfall damals mit einer DDoS-Attacke erklärt.
Ähnliche Klagen zu 2020 hatte BitMEX bereits früher als „opportunistisch" abgetan und eine energische Verteidigung angekündigt. Das Problem: Von der Börse wird bald nicht mehr viel übrig sein, das sich verteidigen könnte — BitMEX hatte die Abwicklung im Juli angekündigt und stellt den Handel am 23. September komplett ein, nur elf Tage nach Einreichung der Klage. Ob einer verschwindenden Plattform noch das Geld oder der Wille bleibt, eine Forderung von knapp einer halben Milliarde Dollar zu begleichen, entscheidet jetzt ein Gericht und nicht mehr der Markt.



