Citadel Securities, einer der größten Marktmacher der Wall Street, hat 400 Millionen Dollar in die Kryptobörse Crypto.com investiert. Die Bewertung nach der Runde liegt bei 20 Milliarden Dollar. Es ist das erste externe Kapital, das Crypto.com seit der Gründung 2016 aufgenommen hat — zehn Jahre lang kam die Börse ohne institutionelles Geld aus.
Der Schritt selbst ist ungewöhnlich. Citadel Securities verdient normalerweise Geld mit Liquiditätsbereitstellung und Handelsausführung, nicht mit direkten Beteiligungen an Börsen. Doch ein Einzelfall ist das nicht mehr: Im vergangenen November führte die Firma eine Runde über rund 200 Millionen Dollar bei Kraken an, ebenfalls bei einer Bewertung von etwa 20 Milliarden Dollar. Das sieht nach einer bewussten Strategie aus — sich am Kapital der Plattformen zu beteiligen, die die Regeln für die nächste Generation regulierter Krypto-Märkte mitgestalten könnten.
Crypto.com-Mitgründer und CEO Kris Marszalek nannte das Ausmaß der Chance "atemberaubend" — Krypto werde zunehmend zur Infrastruktur der Finanzwelt insgesamt. Citadel-Securities-Präsident Jim Esposito erklärte, Crypto.com habe das Fundament für die weitere Institutionalisierung des Marktes für digitale Vermögenswerte gelegt. Das frische Kapital fließt in tokenisierte Wertpapiere, Derivate, Prognosemärkte und die Tokenisierung realer Vermögenswerte.
Zum Vergleich: 20 Milliarden Dollar entsprechen etwa der Hälfte der aktuellen Marktkapitalisierung von Coinbase, die bei rund 42 bis 43 Milliarden Dollar liegt. Der Abstand ist real, doch beide Unternehmen starteten von unterschiedlichen Punkten aus: Crypto.com baute sein Geschäft auf Privatkunden und Zahlungen auf, nicht auf den Status eines börsennotierten, von der SEC beaufsichtigten Unternehmens.
Offen bleibt, wie weit Crypto.com in die Prognosemärkte vordringt, ein Feld, das Polymarket und Kalshi bereits dominieren — und ob Citadels Geld und Name ausreichen, um dort zu einem ernsthaften Konkurrenten zu werden.



