Frankreich steht vor einer neuen Regel: Wer mehr als 100.000 € in Kryptowährungen in einer eigenen Wallet hält — ohne Börse, ohne Mittelsmann —, müsste das künftig dem Finanzamt melden. Wer es nicht tut, riskiert ein Bußgeld von bis zu 10.000 €. Der Finanzausschuss der Nationalversammlung billigte diese Woche den Änderungsantrag I-CF821, eingebracht von den Abgeordneten Charles de Courson, Jean-Pierre Bataille und Michel Castellani.
Bisher stand vor allem das Börsenkonto im Fokus — französische Steuerzahler müssen Kryptowerte auf in- und ausländischen Plattformen bereits melden. Wallets, deren Schlüssel allein der Besitzer hält, blieben dagegen außerhalb des Radars. Die Lücke ist beträchtlich: Eine parlamentarische Untersuchung ergab, dass Franzosen 2021 rund 3,5 Milliarden Euro an Krypto-Gewinnen erzielten, aber nur 400 Millionen deklarierten. Fast 3,1 Milliarden Euro blieben unverbucht.
Im Frühjahr hatten Abgeordnete noch eine Schwelle von nur 5.000 € vorgeschlagen — abgelehnt. Die neue Schwelle liegt zwanzigmal höher, und das hat einen Grund: Die Autoren verweisen direkt auf eine Welle von Überfällen auf Krypto-Besitzer in Frankreich, bei denen es Tätern nicht um Börsenpasswörter ging, sondern um Wallets, deren Schlüssel die Opfer selbst in der Hand hielten. Je niedriger die öffentliche Meldeschwelle, desto leichter kann ein Räuber erkennen, bei wem sich ein Überfall lohnt.
Im selben Paket steckt eine Exit-Tax: Wer Vermögen über 800.000 € ins Ausland verlagert, soll gesondert zahlen. Entschieden ist davon nichts — der Ausschuss lehnte zugleich den Einnahmenteil des Haushalts 2027 ab, sodass alle Krypto-Regeln im Plenum neu eingebracht werden müssen. Die Debatte beginnt am 13. Oktober, und die 100.000-€-Grenze könnte die Aussprache im Saal nicht überleben.
Setzt sich die Regel durch, wäre Frankreich eines der ersten EU-Länder, das gezielt selbstverwahrte Wallets statt Börsenkonten ins Visier nimmt — und rückt die Spannung zwischen Steuerkontrolle und der physischen Sicherheit von Krypto-Besitzern direkt vor die MiCA-Nachbarn in der nächsten Angleichungsrunde.



