Französische Krypto-Trader kannten bisher eine bequeme Regel: Der Tausch einer Münze gegen eine andere löst keine Steuer aus, nur die Umwandlung in Euro tut das. Bitcoin in Ether umzuwandeln, bleibt steuerlich folgenlos. Jetzt wollen Gesetzgeber genau diese Lücke schließen — nicht wegen Bitcoin, sondern wegen Stablecoins.
Der Finanzausschuss der Nationalversammlung hat eine Änderung am Haushalt 2027 unterstützt, die den Umtausch von Krypto in MiCA-regulierte Stablecoins, sogenannte E-Geld-Token, zu einem steuerpflichtigen Ereignis macht. Der Satz entspricht dem französischen Standard von 31,4 % auf Kapitalgewinne. Wer Bitcoin in einen euro-gebundenen Token umwandelt, müsste fast ein Drittel des Gewinns abgeben — selbst wenn das Geld nie das Krypto-Wallet verlassen hat.
Kurios sind die Ausnahmen. USDT, DAI und PAXG bleiben unberührt, einfach weil sie nicht unter die MiCA-E-Geld-Token-Kategorie fallen. So entsteht ein paradoxes Bild: Der meistgenutzte Stablecoin am Markt bleibt steuerfrei, während seine regulierten europäischen Pendants voll besteuert werden. Die Logik dahinter: MiCA-Token wurden als Brücke in das traditionelle Finanzsystem konzipiert, und der Staat will diese Brücke im Blick haben.
Noch ist nichts Gesetz. Am 7. Oktober lehnte derselbe Ausschuss überraschend den gesamten Einnahmenteil des Haushalts mit 31 zu 3 Stimmen ab — ein verfahrenstechnischer Rückschlag, der die Stablecoin-Klausel nicht beseitigt, aber das gesamte Paket zur erneuten Abstimmung im Plenum am 20. Oktober zurückschickt. Das Parlament hat bis zum 10. Dezember Zeit, den Haushalt zu verabschieden — der Streit läuft also noch fast zwei Monate.
Die Branche protestiert bereits. Francois Volpoet, Frankreich-Chef von Chainalysis, warnte, die Steuer könnte Trader zu unregulierten Stablecoins, DeFi-Plattformen und Offshore-Börsen treiben — genau dorthin, wo der Staat nichts mehr sieht. Die Ironie: Eine Regel, die Kapital ins regulierte System locken soll, könnte es geradewegs hinausdrängen.


