Ein Beitrag des Ethereum-Foundation-Forschers Justin Drake kam diese Woche auf fast 4 Millionen Aufrufe — und es ging nicht um den Kurs. Drake ruft die Branche auf, sich auf das vorzubereiten, was er „Bunker-Modus" nennt: eine langsame, kontrollierte Verlagerung von Bitcoin und Ether auf neue Adressen, deren öffentlicher Schlüssel nie in der Chain aufgetaucht ist. Auslöser ist nicht die altbekannte Angst vor Quantencomputern. Es ist künstliche Intelligenz.
Drake beruft sich auf 722 mathematische Ergebnisse, die OpenAI kürzlich veröffentlicht hat, als Beleg dafür, dass lange als sicher geltende Annahmen ins Wanken geraten. Sein Worst-Case-Szenario: Die elliptischen Signaturen, die Bitcoin- und Ether-Wallets schützen, könnten „in Monaten, nicht Jahren" fallen — ein privater Schlüssel ließe sich aus einem öffentlichen in etwa einer Woche auf einem großen GPU-Cluster rekonstruieren. Am stärksten gefährdet sind derzeit rund 20.000 frühe Adressen, die Satoshi Nakamoto zugeschrieben werden — jede mit 50 BTC aus den ersten Monaten des Netzwerks, alle mit längst offengelegtem öffentlichen Schlüssel.
Vitalik Buterin weist die Warnung nicht zurück — die Ethereum Foundation unterhält bereits ein eigenes Team für Post-Quanten-Sicherheit. Er bittet Halter aber, ihre Gelder nicht überstürzt zu verschieben, und erinnert daran, dass er selbst einst bei einer missglückten Migration Geld verloren hat. Dazu lieferte er eine unbequeme Ergänzung: Selbst gitterbasierte Kryptografie, die als quantensicher gilt, könnte „durch die KI-Mathematik der nächsten zwei Jahre ernsthaft Schaden nehmen". Nicht alle teilen diese Einschätzung — Samson Mow von Jan3 nannte das gesamte Szenario übertrieben.
Bitcoin fiel von knapp 86.600 Dollar am Dienstag auf eine Spanne von 82.300 bis 82.800 Dollar, der CoinDesk-100-Index gab binnen 24 Stunden fast 2% ab — steigende Anleiherenditen und ein Ölpreissprung trugen ebenfalls dazu bei. Algorand, als quantenresistent vermarktet, legte um 9% zu. Der Privacy-Coin Zcash verlor 6%.
Ein Beweis, dass KI ECDSA bereits knacken kann, fehlt — es ist die Worst-Case-Einschätzung eines Forschers, vorsichtig bestätigt von einem zweiten. Klar ist aber: Börsen und Wallet-Anbieter diskutieren jetzt einen Umbau der Fondssicherung im Zeithorizont von Monaten, nicht in dem Jahrzehnt, das die Branche bislang allein für das Quantenrisiko eingeplant hatte.



