Illinois ist der erste US-Bundesstaat, der KI-Entwickler zwingt, die Sicherheit ihrer Systeme durch eine unabhängige Prüfung statt durch bloße Erklärungen zu belegen. Am 6. Juli unterzeichnete Gouverneur JB Pritzker den Artificial Intelligence Safety Measures Act (SB 315): OpenAI, Anthropic, Google, Meta und xAI müssen künftig jedes Jahr externe Prüfer engagieren, um die Risiken ihrer leistungsstärksten Modelle zu bewerten.
Bisher benoteten sich die Unternehmen weitgehend selbst: Kalifornien und New York verlangten bereits einen öffentlichen Risikomanagementplan, doch niemand kontrollierte, ob er auch eingehalten wurde. Illinois legt die Messlatte höher. Das Gesetz betrifft Modelle, die mit mehr als 10^26 Gleitkommaoperationen trainiert wurden, von Unternehmen mit über 500 Millionen Dollar Jahresumsatz. Für sie ist ein unabhängiges Audit keine Option mehr, und eine Zusammenfassung der Ergebnisse muss binnen 30 Tagen auf der Firmenwebsite veröffentlicht werden.
Das Gesetz hat auch echte Konsequenzen. Verhält sich ein Modell unvorhersehbar oder entsteht ein Sicherheitsrisiko, muss das Unternehmen die Behörden binnen 72 Stunden informieren, bei unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben binnen 24 Stunden. Mitarbeiter, die Verstöße melden, genießen ausdrücklichen Schutz vor Repressalien. Wer ein Audit auslässt, eine Frist verpasst oder Regulierungsbehörden täuscht, riskiert Strafen von bis zu 1 Million Dollar beim ersten Verstoß und 3 Millionen Dollar bei Wiederholung, durchgesetzt vom Generalstaatsanwalt des Bundesstaats.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der Kongress diskutiert derzeit leise ein Bundesgesetz, das neue bundesstaatliche KI-Regeln für drei Jahre einfrieren würde — bislang nur ein Entwurf, kein Gesetz, aber Illinois wollte seine Regeln offenbar sichern, bevor sich dieses Fenster schließt. OpenAI und Anthropic unterstützten SB 315 öffentlich, allerdings aus unterschiedlichen Gründen: Anthropic will, dass die Bundesstaaten weiterhin strengere Gesetze verabschieden, um den Kongress zu einem wirklich robusten Bundesstandard statt eines verwässerten Kompromisses zu drängen, während OpenAI lieber ein einheitliches nationales Regelwerk hätte als fünfzig verschiedene Vorschriften einzuhalten.
Das Gesetz tritt am 1. Januar 2027 in Kraft und gibt den Unternehmen rund anderthalb Jahre Zeit, Prüfer zu finden und Meldeprozesse aufzubauen. Übersteht Illinois den erwartbaren Gegenwind der Branche, dürften weitere Bundesstaaten das Modell übernehmen — unabhängige Audits könnten so zum Branchenstandard werden, lange bevor der Kongress überhaupt ein Bundesgesetz zur KI verabschiedet.



