Microsoft hat sein erstes eigenes Cybersicherheitsmodell vorgestellt, MAI-Cyber-1-Flash. Es wurde darauf trainiert, Schwachstellen im Code aufzuspüren und sofort einen Fix vorzuschlagen. Das Unternehmen behauptet, es schlage Google, OpenAI und Anthropic im CyberGym-Benchmark — bei etwa halb so hohen Kosten pro Aufgabe.
Zusammen mit dem Modell startete Microsoft Perception, eine Plattform mit drei KI-Agenten: Red, Blue und Green. Red simuliert einen Angriff und zeigt, wo ein echter Hacker ansetzen würde. Blue sortiert die Funde und entscheidet, welche Lücken wirklich gefährlich sind. Green schreibt den Patch und rollt ihn aus — bei diesem letzten Schritt ganz ohne menschliches Zutun.
Microsofts KI-Chef Mustafa Suleyman erklärte, das Modell "schlägt Gemini, GPT und Mythos im wichtigsten Benchmark der Branche". Laut Sicherheits-Ingenieur Dave Weston dauern Aufgaben, die früher Stunden brauchten, jetzt nur Minuten — MAI-Cyber-1-Flash übernimmt bereits rund 90 % der routinemäßigen Sicherheitsprüfungen eigenständig.
Microsoft betritt damit einen Markt, in dem Konkurrenten bereits einen Vorsprung haben: Anthropic brachte im April Mythos heraus, OpenAI im Mai Daybreak. Microsofts Trumpf ist die Verbreitung — die Tools sind direkt in Azure und das bestehende Firmenökosystem eingebunden und erreichen so Kunden, die ohnehin schon für die Cloud zahlen.
Ein Punkt bleibt im Blick: Je autonomer diese Verteidigungs-Agenten werden, desto drängender wird die Frage, wer haftet, wenn ein Green-Agent eigenständig einen fehlerhaften Patch ausrollt. Microsoft hat bislang nicht offengelegt, wie es sich gegen dieses Szenario im Produktivbetrieb absichert.



