Ein Quartal, zwei gegensätzliche Ergebnisse. Microsofts Beteiligung an Anthropic brachte dem Konzern einen Buchgewinn von 3,2 Milliarden Dollar. Die Beteiligung an OpenAI verlor im selben Zeitraum rund 600 Millionen Dollar an Wert.
Der Anthropic-Deal stammt aus dem November 2025: Microsoft steckte 5 Milliarden Dollar hinein, der Claude-Hersteller verpflichtete sich im Gegenzug, Azure-Kapazitäten im Wert von 30 Milliarden Dollar zu kaufen. Es ist die Art zirkulärer Vereinbarung, die unter den großen KI-Laboren mittlerweile üblich geworden ist — das Geld des Investors fließt als künftiger Cloud-Umsatz zu ihm zurück.
Die Beziehung zu OpenAI ist älter und deutlich größer; Microsoft hält etwa 27 Prozent des Unternehmens. Im Quartal zum 30. Juni verlor dieser Anteil rund 600 Millionen Dollar an Wert, was den Gewinn je Aktie um 7 Cent drückte. Über das gesamte Geschäftsjahr betrachtet brachte die OpenAI-Beteiligung jedoch einen Gewinn von 5 Milliarden Dollar und steuerte 67 Cent zum EPS bei. Anthropic holte damit in einem einzigen Quartal fast so viel wie OpenAI im ganzen Jahr.
Nichts davon ist tatsächlich Bargeld auf Microsofts Konto. Es handelt sich um eine Bilanzierung nach der Equity-Methode: Schließt ein Beteiligungsunternehmen eine neue Finanzierungsrunde ab, muss der Investor seinen Anteil entsprechend neu bewerten. Anthropic holte sich im Frühjahr eine Runde, nach der die Bewertung nahe an eine Billion Dollar heranrückte — daher der Sprung bei Microsoft. Warum die OpenAI-Bewertung in die andere Richtung ging, erklären die Unterlagen nicht.
Das Konstrukt selbst wirft Fragen auf. Wenn ein Labor Kapital einsammelt, das es teilweise beim eigenen Cloud-Investor ausgibt, und dieser Investor dann einen Buchgewinn aus der gestiegenen Bewertung verbucht, lässt sich schwer sagen, wie viel davon tatsächlich neuer Wert ist und wie viel nur zwischen zwei Bilanzen hin- und hergeschoben wird. Die nächste Finanzierungsrunde wird es zeigen.



