Nasdaq begnügt sich nicht mehr damit, zuzusehen, wie Krypto-Börsen in traditionelle Finanzmärkte vordringen — jetzt steigt der Börsenbetreiber selbst als Anteilseigner ein. Er hat 100 Millionen Dollar in Payward investiert, die Mutterfirma von Kraken, und das gesamte Unternehmen mit 21 Milliarden Dollar bewertet.
Die Summe zählt weniger als der Trend dahinter. Noch im Mai suchte Payward Kapital zu einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar — der Preis stieg also innerhalb von vier Monaten um eine Milliarde, und Nasdaq gehört nun zu den Investoren. Die Partnerschaft der beiden Firmen ist nicht neu: Bereits im März 2026 kündigten sie ein gemeinsames „Aktien-Transformations-Gateway" an, das regulierte Märkte mit der Blockchain verbinden soll.
Geld ist dabei nur ein Teil des Deals. Payward übernimmt Nasdaqs Marktüberwachungstechnologie auf all seinen Handelsplätzen — Krypto, Aktien, tokenisierte Aktien, Futures und Optionen. Gemeinsam treiben beide Firmen zudem die Nasdaq Equity Tokens (NET) voran: Blockchain-Versionen von Nasdaq-notierten Aktien, die dasselbe Stimmrecht wie die zugrunde liegende Aktie tragen, aber rund um die Uhr gehandelt werden können, ohne Börsenschluss und ohne Warten auf das Clearing. Der Start ist für das zweite Quartal 2027 geplant, und Kraken soll einer der Vertriebskanäle für diese Token werden.
„Täglich laufen mehr als 2 Billionen Dollar an Aktiengeschäften durch das US-Clearingsystem", sagte Arjun Sethi, Co-Chef von Payward. „Die Abwicklung on-chain macht dieses Warten überflüssig."
Das Rennen um tokenisierte Aktien ist an der Wall Street längst in vollem Gange: Die NYSE baut über ICE zusammen mit tZERO eine eigene Plattform für den durchgehenden Handel mit tokenisierten Aktien und ETFs, und die DTCC hat für ihre eigenen Pilotprojekte die Blockchain Stellar gewählt. Offen bleibt, ob das Stimmrecht eines NET im Streitfall juristisch standhält und ob die US-Aufsicht bereit ist, das Ganze als echten Markt zu behandeln und nicht nur als Testfeld.



