New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James verlangt 1,37 Milliarden Dollar von Cynthia und Eddy Petion, den Gründern von NovaTech — das Paar hat die USA längst verlassen, noch bevor der Prozess überhaupt begann.
Das Prinzip war simpel, und genau das hätte misstrauisch machen müssen. Zwischen 2019 und 2023 versprach NovaTech seinen Anlegern 2 bis 3 Prozent wöchentliche Rendite aus Forex- und Krypto-Handel, Gewinne "ab dem ersten Tag" und angeblich keine einzige Verlustwoche. Echter Handel funktioniert so nicht. Über den Zahlungsdienst CoinPayments sammelte das Unternehmen 1,16 Milliarden Dollar ein, doch nur rund 26 Millionen Dollar landeten tatsächlich auf einer echten Handelsplattform, B2Broker — wo die Trader zusätzlich 18 Millionen Dollar verloren. Der Rest finanzierte Auszahlungen an frühere Anleger und Empfehlungsprämien für Werber — ein klassisches Pyramidensystem. Cynthia Petion soll laut Staatsanwaltschaft mindestens 134,5 Millionen Dollar auf eigene Wallets überwiesen haben.
NovaTech setzte gezielt auf die haitianische Einwanderergemeinschaft: Werbung lief in WhatsApp-Gruppen auf Kreolisch, die Anwerbung erfolgte über Gebetstreffen, die das Vertrauen innerhalb religiöser Netzwerke ausnutzten. Mehr als 11.000 Geschädigte in New York und Hunderttausende weltweit investierten Geld — viele von ihnen alles andere als wohlhabend.
New York reichte die Klage im Juni 2024 ein. Die Petions erschienen nie vor Gericht, und im August 2025 erging ein Versäumnisurteil gegen sie. Jetzt bittet die Staatsanwaltschaft das Gericht, 1,13 Milliarden Dollar Entschädigung plus 232,5 Millionen Dollar Zinsen zu bestätigen. Vier Promoter haben bereits zugestimmt, insgesamt rund 6 Millionen Dollar zu zahlen, und dürfen lebenslang nicht mehr in der Wertpapier-, Rohstoff- und Kryptobranche arbeiten. Die SEC hatte dasselbe Paar bereits separat in einem verwandten Bundesverfahren über 650 Millionen Dollar verklagt.
Ob New York das Geld jemals sieht, steht auf einem anderen Blatt — die Gründer sind verschwunden, und ein Urteil auf Papier ist noch kein zurückgeholtes Vermögen.


