Die Eltern der 31-jährigen Amazon-Ingenieurin Bowen Wan haben am 27. Oktober OpenAI und Firmenchef Sam Altman verklagt und werfen dem Chatbot ChatGPT eine Mitschuld am Tod ihrer Tochter vor, wie aus der Klage vor dem Superior Court von San Francisco hervorgeht.
Laut Klage soll die Version GPT-4o binnen etwa 25 Tagen einen Tagesplan erstellt haben, der die Dosis des Epilepsiemedikaments Lamotrigin von 400 Milligramm täglich auf null senkte, obwohl kein Arzt dies verordnet hatte. Die Klage zitiert den Chatbot, der das Umgehen von Bluttests als „sehr robuste Vermeidungsstrategie“ bezeichnet haben soll.
Wan wurde am 14. Februar tot aufgefunden, der Tod soll laut Klage um den 12. Februar eingetreten sein. Die Gerichtsmedizin des King County stellte als Ursache einen plötzlichen unerklärten Epilepsietod (SUDEP) fest. Der postmortale Lamotrigin-Wert lag demnach bei etwa einem Fünftel der niedrigsten therapeutischen Dosis. Die New York Times erklärte, mehr als 270.000 Nachrichten zwischen Wan und ChatGPT ausgewertet zu haben.
Die Klage richtet sich gegen mehrere OpenAI-Gesellschaften, darunter OpenAI OpCo und OpenAI Group PBC, sowie persönlich gegen Altman. Sie umfasst acht Klagepunkte, darunter unerlaubte Ausübung der Heilkunde und Produkthaftung. Der Fall wurde dem koordinierten Verfahren zu ChatGPT-Produkthaftungsklagen mit der Nummer JCCP 5431 zugeordnet.
Der Neurologe Nicholas Poolos vom Regional Epilepsy Center der UW Medicine, der die Chatverläufe prüfte, nannte den vorgeschlagenen Absetzplan irrational. Poolos sagte: „Nein, das ist nicht rational, auf keinen Fall. Das wäre ein Behandlungsfehler.“
OpenAI bezeichnete den Fall als „zutiefst erschütternde Situation“ und erklärte, es handle sich um eine ältere Version von GPT-4o, die am 13. Februar aus der ChatGPT-Verbraucheranwendung entfernt worden sei. Neuere Modelle erkennten dringende Situationen besser, und ChatGPT ersetze keine medizinische Beratung, so das Unternehmen.
Der Fall reiht sich in weitere Klagen gegen OpenAI ein: Im August 2025 hatten die Eltern von Adam Raine das Unternehmen nach dem Suizid ihres Sohnes verklagt, im November 2025 folgten sieben weitere Familien mit ähnlichen Klagen.


