Noch vor drei Jahren waren SBI Holdings und Ripple in der Krypto-Welt fast Synonyme. Der japanische Finanzkonzern hielt eine Beteiligung an Ripple, bewarb XRP über seine Börse SBI VC Trade und blieb über Jahre der lauteste Verteidiger des Unternehmens in Asien, während dieses gegen die US-Börsenaufsicht SEC prozessierte. Nun hat SBI eine strategische Partnerschaft mit der Solana Foundation geschlossen und sein Gemeinschaftsunternehmen mit der Blockchain-Firma R3 in SBI Solana Global umbenannt.
Das ist keine einmalige Pressemeldung. Die neue Einheit soll einen On-Chain-Finanzmarkt in Japan verankern: Ausgabe und Umlauf von Yen-Stablecoins, Tokenisierung von Anleihen und Immobilienfonds, grenzüberschreitende Zahlungsschienen sowie Dienste für institutionelle Investoren direkt auf Solana. Solana-Foundation-Präsidentin Lily Liu zieht in den Vorstand von R3 ein — ein Zeichen für eine dauerhafte Beziehung statt einer einmaligen Transaktion.
Der Deal passt zu einer Reihe von Schritten, die SBI das ganze Jahr über unternommen hat. Die Tochter B2C2 hat Solana bereits als primäres Abwicklungsnetzwerk für institutionelle Stablecoin-Flüsse benannt und unterstützt dort USDC, USDT, PYUSD und weitere Token. SBI VC Trade startet diesen Monat ein Kreditprodukt mit 3% Rendite für den Yen-Stablecoin JPYSC. Anfang Juli war SBI alleiniger Investor einer 76-Millionen-Dollar-Runde für die US-Börse EDX Markets, und im Juni schloss der Konzern die Übernahme von Bitbank für 289 Millionen Dollar ab und festigte damit seine Position als größter Krypto-Akteur Japans.
Von einem Bruch mit Ripple kann keine Rede sein — die Beziehung bleibt bestehen, und SBI hat kürzlich Kreditprodukte erweitert, die auch XRP einschließen. Doch das jahrelange Monopol von XRP auf die Aufmerksamkeit von SBI ist eindeutig vorbei. Der Konzern baut eine Multi-Chain-Strategie auf, in der Solana eine eigene, institutionell verankerte Rolle erhält. Für den Markt reicht das Signal über einen einzelnen Vertrag hinaus: Asiens größte traditionelle Finanzgruppen setzen nicht mehr auf ein einziges Netzwerk, sondern wählen ihre Infrastruktur aufgabenbezogen aus, ohne große Rücksicht auf alte Loyalitäten.



