Jahrelang war Texas der Bundesstaat, in dem ein Rechenzentrum schneller stand als die Genehmigung fürs Firmenschild. Am Montag war damit Schluss: Gouverneur Greg Abbott ordnete an, dass jedes neue Projekt erst eine Prüfung durch die staatliche Regulierungsbehörde PUCT und den Netzbetreiber ERCOT durchlaufen muss, bevor es ans Netz geht.
Die Zahlen erklären die Eile. ERCOTs Warteschlange für Netzanschlüsse ist auf 474 Gigawatt angewachsen, rund 90 Prozent davon entfallen auf Rechenzentren — mehr als das Fünffache der gesamten Spitzenlast des texanischen Netzes. Und das kam nicht schleichend: Die Warteschlange hat sich in weniger als sechs Monaten mehr als verdoppelt, von 233 Gigawatt im Januar auf 474 im August.
Abbott versuchte es zunächst sanft, mit einer freiwilligen Umfrage unter den Betreibern. Kaum jemand antwortete. Jetzt ist die Prüfung verpflichtend: PUCT und ERCOT müssen für jedes Projekt Daten zu Strom- und Wasserverbrauch, Lärm- und Lichtschutz, in Anspruch genommenen Steuervergünstigungen und den tatsächlichen Eigentümern sammeln. Projekte, die die „umfassende Überprüfung“ nicht bestehen, bekommen schlicht keinen Netzanschluss.
Einen Termin für die Wiederaufnahme der Genehmigungen nennt niemand. Der Stopp trifft nicht nur KI-Campusse im Stil von Google oder Microsoft — auch Krypto-Mining-Farmen stehen in derselben Warteschlange, und Anwohner machen sie schon länger für steigende Stromrechnungen verantwortlich. Für einen Bundesstaat, der zwei Jahrzehnte lang mit minimaler Regulierung und schnellen Genehmigungen um Investoren geworben hat, ist das eine Kehrtwende — und ein Warnsignal an jede Region, die vom Rechenzentrums-Boom profitieren will, ohne dass Netz oder Wähler irgendwann zurückschlagen.



