Anthropic hat sich gerade zwei Jahrzehnte dedizierter Rechenkapazität gesichert — und dabei einen ehemaligen Bitcoin-Miner in einen KI-Infrastrukturanbieter verwandelt. Der Claude-Hersteller unterzeichnete einen 20-jährigen Mietvertrag mit TeraWulf für dessen Justified Data Campus in Hawesville, Kentucky, etwa eine Autostunde südwestlich von Louisville.
Das Objekt verfügt über 401 Megawatt kritische IT-Last. Der Gesamtwert des Mietvertrags über 20 Jahre beläuft sich auf rund 19 Milliarden US-Dollar. Die erste Stromlieferung ist für das zweite Halbjahr 2027 geplant, der Vollbetrieb ist Anfang 2028 vorgesehen.
Für TeraWulf markiert der Deal einen strategischen Wendepunkt. Das Unternehmen hatte seinen Namen im Bitcoin-Mining gemacht, bevor es sich schrittweise auf KI-Rechenzentren umorientierte. CEO Paul Prager bezeichnete die Partnerschaft mit Anthropic als Bestätigung der Strategie, die eine langfristige Einnahmequelle mit einem der weltweit führenden KI-Unternehmen erschließt. Am selben Tag veräußerte TeraWulf seinen 50,1-prozentigen Anteil an einem 168-MW-Campus in Abernathy, Texas, an eine von Fluidstack angeführte Investorengruppe für rund 450 Millionen Dollar. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel um mehr als 16 Prozent zu.
Die Margen des Bitcoin-Minings stehen das gesamte Jahr über unter Druck, während die Nachfrage nach KI-Computing stetig und berechenbar wächst. TeraWulf ist der zweite große Mining-Betreiber, der in diesem Jahr einen bedeutenden KI-Infrastrukturvertrag unterzeichnet hat. Anthropics Strategie folgt einer klaren Linie: zunächst eine strategische Partnerschaft mit Amazon, jetzt 401 MW in Kentucky für zwei Jahrzehnte.
Anthropic erhält langfristige Kapazität ohne Baurisiko. TeraWulf tauscht volatile Mining-Einnahmen gegen 19 Milliarden Dollar an vertraglich gesicherten Zahlungsströmen. Die entscheidende Frage ist, wie viele der verbleibenden Miner dasselbe tun werden, bevor der KI-Infrastrukturwettlauf entschieden ist.



