Vor ein paar Jahren bestand die Validatorenliste einer Blockchain meist aus Enthusiasten mit Heimservern und ein paar Krypto-Fonds. Circles neues Netzwerk sieht ganz anders aus: BlackRock, DTCC, Visa, Mastercard, ICE, Standard Chartered, Galaxy, Global Payments, MoneyGram, SBI Group und Sumitomo Corporation. Elf Finanzschwergewichte, keine Miner.
Die Rede ist von Arc, einer Layer-1-Blockchain, die Circle — der Emittent des Stablecoins USDC — gezielt für den traditionellen Finanzsektor gebaut hat. Das öffentliche Mainnet startet am 16. September, nach fast einem Jahr Betrieb auf einem privaten Testnet, über das bereits mehr als eine halbe Milliarde Transaktionen von fast drei Millionen Wallets liefen.
Der entscheidende Unterschied zu den meisten Blockchains: Gasgebühren werden bei Arc direkt in USDC bezahlt, nicht in einem separaten nativen Token. Für eine Bank oder einen Fonds nimmt das eine echte Hürde weg — man muss keinen volatilen Vermögenswert halten, nur um eine Transaktion zu senden. Das Netzwerk ist EVM-kompatibel und verspricht eine Finalität von Transaktionen unter einer Sekunde, schneller als eine typische Interbanküberweisung.
BlackRock hat bereits bestätigt, seinen tokenisierten Geldmarktfonds BUIDL auf Arc zu platzieren. DTCC, die zentrale Verwahrstelle, die den Großteil der US-Wertpapierabwicklung abwickelt, plant, die Tokenisierung ihrer verwahrten Vermögenswerte auf das Netzwerk zu bringen — allerdings frühestens in der zweiten Hälfte 2027. Auch die DeFi-Protokolle Aave, Uniswap und Morpho bereiten sich auf den Start vor, Wallet-Zugang bieten Binance Wallet, Kraken, Ledger und MetaMask.
Hier zeigt sich eine offensichtliche Spannung zum ursprünglichen Krypto-Gedanken: Ein Netzwerk, das von elf regulierten Finanzinstituten statt von einem verteilten Pool anonymer Miner gesichert wird, ist keine Dezentralisierung im klassischen Sinn mehr. Für Banken ist genau das der Vorteil — rechenschaftspflichtige juristische Personen statt eines unberechenbaren Validatoren-Sets. Circle setzt genau auf diesen Kompromiss, und ist damit nicht allein: Andere große Zahlungsdienstleister bauen seit einem Jahr an ähnlichen institutionellen Chains.



