Prognosemärkte haben sich zu einem der am schnellsten wachsenden Finanzsegmente entwickelt — Polymarket hat Milliarden Dollar an Wetten auf Wahlergebnisse, wirtschaftliche Entscheidungen und Weltereignisse abgewickelt. Für europäische Nutzer hat sich die Lage nun deutlich geklärt, wenn auch nicht zu ihren Gunsten.
Am 3. Juli veröffentlichte die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) eine formelle Warnung: Die meisten Ereigniskontrakte auf Prognosemärkten — Instrumente mit binärem Ergebnis und fester Auszahlung — qualifizieren sich unter MiFID II als binäre Optionen. Diese sind für Privatanleger in der EU seit 2018 verboten.
Die Logik ist eindeutig: Zahlt ein Kontrakt je nach Ja/Nein-Ergebnis einen festen Betrag oder nichts, betrachtet ESMA ihn als binäre Option — unabhängig davon, wie die Plattform ihn bezeichnet. Die Bezeichnung "Ereigniskontrakt" bietet keinen rechtlichen Schutz. Die Behörde stellte klar: Entscheidend ist die tatsächliche Produktstruktur, nicht das Marketing.
Es gibt keine Übergangsfrist. Das Verbot gilt bereits. Derzeit gibt es in der EU keine einzige lizenzierte Prognosemarkt-Plattform für Privatkunden. Selbst Plattformen für professionelle Investoren benötigen eine MiFID-II-Zulassung — eine Voraussetzung, die bisher keine der großen Plattformen erfüllt hat. Polymarket und Kalshi stehen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten vor unmittelbarem Compliance-Risiko.
Das steht in deutlichem Kontrast zu den USA, wo CFTC und Gerichte noch über die Regulierung dieser Märkte streiten. In der EU ist die Antwort seit Jahren im Gesetz verankert. Globale Plattformen müssen nun entscheiden: ein grundlegend anderes Produkt für Europa entwickeln oder den Markt verlassen.



