Am 21. Juli ging Google einen anderen Weg als seine Konkurrenten im KI-Wettlauf: Statt um das stärkste Modell zu kämpfen, aktualisierte das Unternehmen die Modelle, die Entwickler tatsächlich im Alltag einsetzen. Google brachte gleich drei neue Gemini-Versionen heraus — 3.6 Flash, 3.5 Flash-Lite und ein auf Cybersicherheit spezialisiertes Modell namens 3.5 Flash Cyber — und blieb dabei auffällig still zum lange erwarteten Flaggschiff-Update.
Gemini 3.6 Flash kostet 1,50 Dollar pro Million Eingabe-Tokens und 7,50 Dollar pro Million Ausgabe-Tokens, verbraucht rund 17% weniger Tokens als sein Vorgänger, und der Wissensstand des Modells wurde von Januar 2025 auf März 2026 vorverlegt — vierzehn Monate zusätzliche Daten. Im Coding-Benchmark SWE-Bench Pro, der auf realen Programmieraufgaben basiert, erreicht das neue Modell 58,7% gegenüber 55,1% beim Vorgänger.
Gemini 3.5 Flash-Lite ist mit 0,30 Dollar pro Million Eingabe-Tokens noch günstiger, liefert bis zu 350 Tokens pro Sekunde und schlägt bei manchen Code-Tests sogar teurere Modelle. Die dritte Neuheit, 3.5 Flash Cyber, wurde gezielt darauf trainiert, Sicherheitslücken aufzuspüren und zu schließen, und steht vorerst nur Regierungen und ausgewählten Partnern über den CodeMender-Agenten zur Verfügung.
Was in der Ankündigung fehlt, sagt genauso viel wie das, was drinsteht. Gemini 3.5 Pro, das Flaggschiff-Modell, das Google eigentlich für Juni versprochen hatte, ist immer noch nicht erschienen. Bloomberg berichtete, das Modell erreiche intern gesetzte Qualitätsziele nicht. Gleichzeitig bestätigte Google, bereits den nach eigenen Angaben ambitioniertesten Pretraining-Lauf seiner Geschichte gestartet zu haben — für Gemini 4, die nächste vollständige Generation der Modellfamilie.
Zusammen ergeben die beiden Fakten ein stimmiges Bild: Google stopft die Lücke im mittleren Segment, während das Spitzenmodell ins Stocken gerät, und startet gleichzeitig die nächste Generation von Grund auf. Der Zeitpunkt ist nicht beliebig: OpenAI hat bereits GPT-5.6 ausgerollt, Anthropic Claude auf Opus 4.8 und Sonnet 5 aktualisiert. Die Verzögerung bei Gemini 3.5 Pro ist mehr als ein verpasster Termin — sie ist ein Rückstand, den Google aufholen muss, bevor Gemini 4 fertig ist.



