Die Ironie dieser Woche war fast schon komisch. Am Mittwoch scheiterte der Senat erneut daran, den Clarity Act voranzubringen — das Gesetz, das endlich klären sollte, ob die SEC oder die CFTC die Aufsicht über den Kryptomarkt übernimmt. Kaum 24 Stunden später gelang dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses etwas, das der Kongress bei Krypto-Themen selten schafft: Er billigte fast einstimmig, mit 38 zu 5 Stimmen, einen Gesetzentwurf zur Besteuerung. Die Abgeordneten können sich noch immer nicht einigen, was Bitcoin rechtlich überhaupt ist — aber wie viel der Staat davon bekommen soll, haben sie in einer einzigen Sitzung geklärt.
Der Entwurf trägt den Namen Digital Asset Tax Certainty Act, H.R. 10357, und wird gemeinsam von Ausschussvorsitzendem Jason Smith und dem Demokraten Steven Horsford aus Nevada vorangetrieben — eine echte überparteiliche Initiative, was in der aktuellen Krypto-Politik selten ist. Smith brachte das Problem bei der Anhörung mit einem Alltagsbeispiel auf den Punkt: Wer heute mit Bitcoin einen Kaffee kauft, löst formal für jede einzelne Transaktion eine vollständige Berechnung der Kapitalertragsteuer aus. Das neue Gesetz führt eine Bagatellgrenze von 10 Dollar für Netzwerkgebühren und Kleinbeträge ein, die von dieser Berechnung ausgenommen wären — es sei denn, jemand kommt auf mehr als 5.000 solcher Transfers pro Jahr, eine Grenze, die verhindern soll, dass die Ausnahme zum Schlupfloch für Hochfrequenzhändler wird.
Der für tatsächliche Halter wichtigere Teil betrifft Staking und Mining: Belohnungen aus beidem sollen künftig als gewöhnliches Einkommen und nicht als Kapitalertrag besteuert werden — das beendet eine jahrelange Debatte darüber, ab welchem Zeitpunkt das Einkommen eines Validators überhaupt steuerpflichtig wird. An den Dollar gekoppelte Stablecoins erhalten eine eigene Regel: Kleine Abweichungen von der 1:1-Bindung zählen weder als Gewinn noch als Verlust, sofern der Token nahe am Nennwert gekauft wurde. Für aktiv gehandelte Assets soll eine vereinfachte Jahresbuchhaltung möglich sein statt der Erfassung jedes einzelnen Trades, und das Gesetz übernimmt eine Wash-Sale-Regel nach Börsenvorbild, damit Anleger nicht einen Verlust verbuchen und denselben Vermögenswert sofort zurückkaufen, um ihre Steuerlast zu senken.
Fertig ist damit noch nichts. Die Zustimmung des Ausschusses bedeutet nur, dass der Entwurf nun vor das gesamte Repräsentantenhaus kommt — und da die Kammer vor den Novemberwahlen in die Pause geht, dürfte eine reale Abstimmung erst danach stattfinden. Selbst dann müsste das Gesetz noch den Senat passieren, jene Kammer, die gerade Monate damit verbracht hat, den Clarity Act nicht durchzubringen.
Trotzdem ist das Signal für sich genommen bedeutsam. Nachdem sich der Senat nicht einigen konnte, wer die Kryptomärkte beaufsichtigen soll, hat das Repräsentantenhaus der Branche gerade gezeigt: Steuerliche Klarheit ist zumindest etwas, das Washington schnell und mit breiter Unterstützung liefern kann. Für Millionen gewöhnlicher Krypto-Halter könnte das im Alltag mehr wiegen als der ungelöste Streit um die Zuständigkeiten von SEC und CFTC.



