Die russische Staatsduma hat in zweiter und dritter Lesung das erste umfassende Kryptogesetz des Landes verabschiedet, offiziell „Über digitale Währung und digitale Rechte" genannt. Es fehlen noch der Föderationsrat und die Unterschrift von Wladimir Putin, doch bei 327 von 340 Stimmen in erster Lesung gilt das als Formsache der nächsten zwei Wochen.
Der Kern des Gesetzes ist simpel und trifft zugleich den Nerv des westlichen Sanktionsregimes: Russische Unternehmen dürfen künftig Außenhandelsverträge mit ausländischen Partnern in Kryptowährung abwickeln, auch mit selbst geschürften Coins. Im Inland ändert sich nichts — der Rubel bleibt einziges gesetzliches Zahlungsmittel für Waren und Dienstleistungen, Banken dürfen weiterhin nicht für Kryptozahlungen werben.
Faktisch legalisiert Moskau, was es seit Jahren im Verborgenen betrieben hat. Nach dem SWIFT-Ausschluss russischer Banken 2022 wurde Krypto zu einem der wenigen verbliebenen Kanäle für den Außenhandel — über Plattformen wie Garantex, die US-Behörden im März 2025 abschalteten, und den rubelgebundenen Stablecoin A7A5, über den nach Schätzungen von Analysten zig Milliarden Dollar an sanktionsbezogenen Zahlungsströmen liefen. Die Ironie: Im Januar 2022, Wochen vor dem Einmarsch in die Ukraine, wollte die russische Zentralbank Kryptowährungen noch komplett verbieten.
Das neue Gesetz holt diesen Graubereich unter die Aufsicht der Zentralbank. Ab dem 1. September 2026 brauchen fünf Kategorien von Marktteilnehmern — Börsen, Broker, Verwaltungsgesellschaften, Verwahrstellen und Wechselstuben — eine Lizenz, ein Mindestkapital von 15 Millionen Rubel (etwa 190.000 Dollar) und die Mitgliedschaft in einer Selbstregulierungsorganisation. Bestehende Plattformen erhalten eine Übergangsfrist bis Mitte 2027.
Privatanleger ohne den Status „qualifiziert" dürfen künftig über lizenzierte Vermittler bis zu 300.000 Rubel (rund 3.800 Dollar) pro Jahr in Krypto investieren, Überweisungen ins Ausland sind auf 100.000 Rubel begrenzt; qualifizierte Anleger bekommen deutlich höhere Grenzen, müssen aber zuvor einen Risikotest bestehen. Größere grenzüberschreitende Transfers werden für 48 Stunden zur Prüfung zurückgehalten. Handelbar an lizenzierten Plattformen sind nur Coins, die strenge Größenschwellen überschreiten — im Schnitt über 5 Billionen Rubel Marktkapitalisierung und über 1 Billion Rubel Tagesvolumen über zwei Jahre —, was derzeit auf Bitcoin, Ethereum und eventuell Solana hinausläuft; Privacy-Coins bleiben verboten.
Ob diese Konstruktion Russland tatsächlich hilft, Sanktionen zu umgehen, steht auf einem anderen Blatt. Die EU hatte bereits im April 2026 ein eigenes Sanktionspaket gegen russische Krypto-Infrastruktur verhängt, und formalisierte Kanäle lassen sich leichter zurückverfolgen als anonyme Wechselstuben — genau das Risiko, das ausländische Geschäftspartner normalerweise scheuen.



