Die US-Börsenaufsicht SEC bereitet zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Regelwerk vor, das eigens für den Kryptomarkt geschrieben wird. Der Entwurf mit dem Arbeitstitel „Regulation Crypto" liegt dem Office of Information and Regulatory Affairs (OIRA) im Weißen Haus zur Prüfung vor — der letzte bürokratische Schritt vor der offiziellen Veröffentlichung. Läuft das Verfahren planmäßig, könnte das Dokument noch im Juli erscheinen.
Der Kern des Entwurfs: ein rechtlicher Schutzschirm gegenüber dem Wertpapiergesetz von 1933. Startups mit einer Bewertung unter 5 Millionen Dollar in den ersten vier Betriebsjahren würden vorübergehend von der Registrierungspflicht als Emittenten befreit. Größere Projekte könnten über Krypto-Investitionsverträge bis zu 75 Millionen Dollar einsammeln, ebenfalls ohne das übliche SEC-Registrierungsverfahren. Eine dritte Kategorie betrifft Protokolle, die ihre zentralisierte Verwaltung bereits abgeben.
Nach der OIRA-Freigabe folgt eine Kommentierungsphase, bevor die SEC die endgültige Fassung verabschiedet. Doch schon die formale Veröffentlichung des Entwurfs wird das Rechtsklima verändern. Krypto-Projekte agierten jahrelang unter der Drohung unerwarteter Klagen. Eine schriftliche Regel — auch als Entwurf — gibt ihnen erstmals eine verlässliche Grundlage.
Der Kontrast zur Ära Gensler ist deutlich: Sein Vorgänger lehnte kryptospezifische Regelwerke grundsätzlich ab und setzte stattdessen auf Dutzende Klagen. SEC-Vorsitzender Paul Atkins verfolgt den gegenteiligen Ansatz. „Wir wollen, dass die USA die Krypto-Hauptstadt der Welt werden", erklärte er. Scheitert der Kongress am CLARITY Act vor der Sommerpause, wird Regulation Crypto zum wichtigsten Rechtsrahmen für den US-Kryptomarkt.



