Im Juli sah es noch so aus, als käme Bewegung in das wichtigste Krypto-Gesetz des US-Kongresses. Am 6. August bestätigte Mehrheitsführer John Thune im Senat das Gegenteil: Die Abstimmung über den CLARITY Act findet vor der Sommerpause nicht statt. Der Entwurf fliegt vom Zeitplan und kommt frühestens im September zurück.
Offiziell ist der Grund verfahrenstechnisch: Die Demokraten lehnten einen beschleunigten Sitzungsplan vor der Pause ab, sodass schlicht keine Zeit blieb. Der eigentliche Streit sitzt tiefer. Sieben demokratische Senatoren lehnten den republikanischen Entwurf ab und forderten Nachbesserungen in fünf Bereichen: Ethikregeln, Verbraucherschutz, Geldwäschebekämpfung, Interessenkonflikte und Marktintegrität. Zwei von ihnen, Angela Alsobrooks und Ruben Gallego, hatten den Text im Ausschuss noch vor wenigen Monaten mitgetragen.
Der Knackpunkt ist Trump selbst. Die Demokraten fordern strikte Grenzen für amtierende Beamte mit Kryptobesitz und zielen dabei direkt auf die Familiengeschäfte des Präsidenten in der Branche. Das Weiße Haus prüft derzeit einen Kompromissvorschlag zu den Ethikregeln von den Senatoren Thom Tillis und Gallego — offen ist, ob er den skeptischen Demokraten reicht.
Der CLARITY Act soll einen jahrelangen Streit beenden: Wer reguliert Kryptowährungen in den USA eigentlich — die SEC, die die meisten Token als Wertpapiere behandelt, oder die CFTC, die sie eher als Rohstoffe einstuft? Das Repräsentantenhaus verabschiedete seine Version bereits im Juli 2025, mit 294 zu 134 Stimmen. Der Bankenausschuss des Senats brachte im Mai eine geänderte Fassung durch, 15 zu 9. Im Senatsplenum braucht es aber 60 Stimmen, um ein Filibuster zu brechen — und die haben die Republikaner ohne demokratische Unterstützung nicht.
Der Markt reagierte sofort: XRP, lange als einer der größten Profiteure des Gesetzes gehandelt wegen des eigenen langjährigen Streits mit der SEC, gab nach der Nachricht nach. Bis zur Rückkehr der Senatoren im September bleiben weniger als drei Wochen Sitzungszeit — und einige Trader kalkulieren bereits ein, dass es vor den Zwischenwahlen im November gar nicht mehr zu einer Abstimmung kommt.



