Seit zwei Jahren öffnet eine wenig beachtete US-Bankenaufsicht Krypto-Firmen still und leise eine Seitentür ins Finanzsystem. Den traditionellen Banken ist jetzt die Geduld ausgegangen.
Am 2. Oktober verklagte die Independent Community Bankers of America, ein Verband, der Tausende kleine und mittlere US-Banken vertritt, das Office of the Comptroller of the Currency vor einem Bundesgericht in Washington. Der Vorwurf: Die OCC habe die ihr vom Kongress im National Bank Act zugestandenen Befugnisse überschritten, als sie Krypto-Unternehmen sogenannte limited purpose national trust charters erteilte — national begrenzte Treuhandlizenzen.
Auf dem Papier ist das eine Banklizenz. In der Praxis ist es eine Abkürzung. Firmen mit diesem Status tragen das Bundeslabel "Bank", ohne Einlagensicherung über die FDIC anbieten zu müssen, ohne die Kreditauflagen des Community Reinvestment Act, ohne konsolidierte Aufsicht und ohne die Kapital- und Liquiditätspuffer, die normale Banken vorhalten müssen.
"Der Kongress hat den nationalen Trust Charter nicht als Seitentür ins Bankensystem für Krypto-Firmen geschaffen", erklärte ICBA-Präsidentin Rebeca Romero Rainey. Der Verband wirft der OCC zudem vor, eingegangene Stellungnahmen aus dem öffentlichen Konsultationsverfahren ignoriert zu haben.
Es ist nicht der erste Schlagabtausch zwischen Banken und der Krypto-Branche in diesem Jahr — man denke an Jamie Dimons öffentlichen Streit mit Coinbase um den CLARITY Act. Doch diese Klage trifft genauer: Sollte das Gericht der ICBA folgen, stünden bereits erteilte Charters und der gesamte Weg, über den Krypto-Firmen ins US-Bankensystem gelangen, zur Disposition. Das Urteil lässt noch Monate auf sich warten, doch für beide Seiten steht viel auf dem Spiel.



