Vor ein paar Jahren war Wintermute noch eine reine Krypto-Geschichte: eine Londoner Firma, die Dutzenden Börsen Liquidität liefert und an der Spanne zwischen Orders verdient. Jetzt besitzt sie eine US-Broker-Dealer-Lizenz und steht damit auf derselben regulatorischen Stufe wie Citadel Securities oder Jane Street.
Die New Yorker Einheit des Unternehmens, Wintermute USA, hat sich bei der SEC registriert und ist FINRA-Mitglied geworden. Die Registrierung gilt für den Eigenhandel, nicht für das Privatkundengeschäft: Die Firma darf nun Aktien und Optionen auf eigene Rechnung handeln, Börsen und OTC-Gegenparteien mit Liquidität versorgen und Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten, die rechtlich als Wertpapiere gelten, selbst abwickeln.
Ein Detail wiegt schwerer, als es klingt: Wintermute kann nun als autorisierter Teilnehmer für börsengehandelte Fonds auftreten, auch für Krypto-ETFs. Autorisierte Teilnehmer sind es, die ETF-Anteile gegen den zugrunde liegenden Vermögenswert schaffen und zurücknehmen — je mehr davon ein Fonds hat, desto enger die Spanne und desto geringer die Gefahr, dass sein Kurs vom tatsächlichen Wert des enthaltenen Bitcoin oder Ether abweicht.
Wintermute wickelt über 10 Milliarden Dollar durchschnittliches Tagesvolumen auf mehr als 60 zentralen und dezentralen Plattformen ab und zählt damit zu den größten Market-Makern der Branche. Das New Yorker Hauptquartier wurde erst 2025 eröffnet — die Broker-Lizenz ein Jahr später wirkt eher wie ein logischer nächster Schritt als eine Überraschung.
CEO Evgeny Gaevoy brachte die Logik knapp auf den Punkt: Digitale Vermögenswerte und traditionelle Finanzen würden sich weiter parallel entwickeln, sich zunehmend überschneiden und am Ende noch tiefer verschmelzen. Mit welchen ETF-Emittenten die Firma bereits zusammenarbeitet, wurde nicht genannt, doch sie soll Market-Making-Rollen an NYSE und Nasdaq anstreben.
Wintermute betritt hier kein Neuland: Ripple, GSR und Crypto.com holten sich zuvor ähnliche US-Lizenzen. Die SEC betont unablässig, dass Wertpapiergesetze unabhängig davon gelten, ob ein Vermögenswert tokenisiert oder klassisch gehandelt wird. Die erweiterte Lizenz eines Market-Makers ist weniger eine isolierte Nachricht als ein weiteres Symptom dafür, wie schnell die Grenze zwischen Kryptomarkt und Wall Street verschwimmt.



